02.02.2014

Wendepunkt

"Geschafft, geschafft, geschafft!", dachte ich vor kurzem noch, und "weiter, weiter, weiter!" Höher! Noch erfolgreicher!

Aber das Leben will es anders.

Ein Todesfall in der nahen Familie brachte mich im Sommer 2013 zum Innehalten, zum Nachdenken, Zweifeln... Ich nahm mir ganz bewusst mehr Zeit für mich - und merkte, wie gut es mir tat zu "entschleunigen".

Aber dann erschien mein Thriller und überdeckte diese Phase. Es war, wie ich es mir immer erträumt hatte: Ich war bei meiner Wunsch-Agentur angenommen worden, mit Hilfe meiner großartigen Agentin bei einem großen Verlag gelandet, habe mit einer ganz wundervollen Letorin zusammenarbeiten dürfen, habe mit ihr monatelang an dem Text gefeilt, ihn umgeschrieben, noch dichter, noch spannender gemacht, dann haben wir gemeinsam die Auslieferung des Thrillers gefeiert, dessen Verkaufszahlen aus dem Stand meine und die Erwartungen meines Verlags übertrafen.

Und ich hatte noch so viel vor: Zwar lag ein Unterhaltungsroman fast fertig in der Schublade, aber im Zuge meines Erfolgs nahm plötzlich die Idee für einen neuen Thriller überhand. Personen, Plot formten sich, stellten sich auf, begannen mit mir zu reden. Diese Phase, bevor noch die erste Zeile geschrieben ist, ist eigentlich die schönste, kreativste, tiefste in der Entstehung eines Buches. Verlag und Agentur ermunterten mich, die Rezensionen zum Thriller trugen mich ganz nach oben.

Und trotzdem wurde ich meine dunklen Gedanken aus dem Sommer nicht los.

Die Entscheidung wurde mir wenig später aus der Hand genommen: Von einem Augenblick zum anderen, es reichte der Griff in den Briefkasten, war die Welt anders als zuvor. Untersuchungsergebnisse ließen Ärzte daran zweifeln, dass ich so gesund war, wie ich mich fühlte. Die folgenden Wochen waren schlimm. Auch wenn noch nichts feststand, habe ich mich intensiv mit dem "Was, wenn... " auseinandergesetzt.

Wochenlang blieb ich im Ungewissen, mussten neue Untersuchungen und schließlich ein operativer Eingriff abgewartet werden, wieder warten auf Ergebnisse, und dann die Entwarnung: Alles gut.

Alles gut?

Nein, das war es zu dem Zeitpunkt längst nicht mehr.

Man kann nach solch einer Erfahrung nicht weitermachen wie bisher.

Das Leben ist ein anderes geworden, Ziele haben sich verschoben, zumindest für die nächste Zeit. Und deshalb habe ich mich entschlossen, das Schreiben vorerst auszusetzen und etwas Neues zu wagen, weg von der fiktiven Beschäftigung hin zur Realität meiner liebgewonnenen Heimatstadt Baden-Baden: Ich möchte mich sinnvoll ins Leben einbringen, nicht weiter ständig um mich und meine fiktiven Träume und Personen kreisen.

Deshalb gibt es nun eine



Wie es danach weitergeht, weiß ich nicht.

Ich weiß, dass diese Nachricht viele meiner Leser enttäuschen wird. Auch mir wird der intensive Kontakt zu ihnen fehlen. Es war wie Magie, wenn ich gerade in Phasen des Selbstzweifels aus heiterem Himmel eine Mail von wildfremden Menschen geschickt bekam, denen ich mit meinen Büchern eine Freude bereitet habe, die mir schrieben, dass sie sehnsüchtig auf ein neues Buch warten. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich und von Herzen bedanken.

Ich will auch nicht sagen, dass ich "nie mehr" schreiben werde. Vielleicht soll es wirklich nur eine vorübergehende schöpferische Pause sein, vielleicht geht es danach umso großartiger weiter. Wer weiß. Ideen habe und hatte ich ja genug. Aber im Augenblick fühlt sich meine Entscheidung für ein neues Leben richtig an. Lebendig. Spannend. Aufregend. Ich freu mich drauf.


NEU: Ab sofort blogge ich über aktuelle Baden-Badener Themen auf einer extra Seite: